Warum wir Lerngruppen so gut finden

Wer uns schon länger verfolgt, dem ist bestimmt aufgefallen, dass wir vor allem das Thema ‚Lerngruppen“ oft und gerne behandeln. Die Faszination um dieses Thema ist bei uns deshalb so groß, weil wir schon seit unserem gemeinsamen Plan, einen Edutainment-Kanal aufzubauen, diese Lernvariante für unheimlich gut befunden haben. Aber erstmal zu unseren jeweiligen Standpunkten:

Kevin: Ich habe früher eher selten mit Lerngruppen gearbeitet, da ich im Studium zunächst meinen eigenen Weg ebnen musste. Im späteren Verlauf habe ich für meine Studienkollegen kleine Lernsessions angeboten, um ihnen – wenn sie dies erfragten – noch einmal eine Art Crashkurs vor der Klausur zu geben. Das war dann eine absolute Win-Win-Situation. Sie haben alles nochmal zusammengedampft erklärt bekommen und ich konnte durch das Wiederholen (erinnert stark an die Feynman-Methode) nochmal alles mehr und mehr festigen. Doch Lerngruppen im klassischen Sinne (alle haben ihren Part, den sie erklären usw.) kamen für mich dann erst zu einem sehr späten Zeitpunkt in Frage. Aber ab da an merkte ich, wie sehr sie mir halfen.

Alex: Insbesondere in meinem neuen Studium (Englisch, Geschichte auf Lehramt) waren Lerngruppen für mich der absolute ‚Gamechanger‘ für den Lernalltag. Zwar wechselten meine Lernpartner leider von Semester zu Semester, doch war ich immer sehr flexibel und anpassungsfähig. Soll heißen, dass ich nicht gewartet habe, bis mich jemand gefragt hat, sondern ich bin gezielt auf andere zugegangen. Vor allem für Englisch war das gemeinsame Lernen und das gemeinsame Sprechen einfach unabdinglich. Aber auch für Geschichte brachte es Vorteile. Wenn bspw. eine Klausur anstand, traf man sich per Zoom (eine der wenigen guten Seite an Corona…) und sprach den kompletten Stoff noch einmal im Schnelldurchgang durch.

Die Vorteile an der Lerngruppe:

  1. Einer der größten Vorteile, die man durch eine Lerngruppe hat, ist, dass man in irgendeiner Weise dazu angehalten ist, etwas zu tun. Bedeutet, man ist oftmals extrinsisch gewillt, sich in gewisse Dinge einzulesen oder einen Fall vorzubereiten. Extrinsisch eben deshalb, weil man seine Peers nicht enttäuschen möchte und gleichzeitig mit seinem neuen Wissen nicht nur glänzen, sondern eben auch fördern möchte.
  2. Ein weiterer Vorteil ist, dass man in seiner Gruppe schneller und effizienter Ansprechpartner für Probleme findet. Klar, ChatGPT regelt, vor allem dann, wenn man die Bezahlversion hat, doch ist nicht jede Frage zu einem Zivilrechts- oder Strafrechtsfall mit einem kurzen Prompt in ChatGPT beantwortet. Deine Peers haben sich eben – genau wie man selbst – einmal mit der Materie beschäftigt. Da vielleicht mit anderem Fokus, was der Beantwortung deiner Frage zuträglich ist.
  3. Und zu guter Letzt ist die Methodik, die man nutzt, eine äußerst Zuträgliche. Denn man möchte ja nicht mit großer Abstraktion ‚Verwirrung‘ stiften. Man möchte mit anschaulichen Beispielen, tiefen Erklärungen und visueller Brillanz das Publikum (dein Lernpublikum um genau zu sein) mitnehmen und begeistern. Dafür hilft die Feynman-Methode1) Einen Abschnitt limitieren 2) Diesen Abschnitt gut lernen und 3) Diesen Abschnitt vorstellen (hier dann eben nicht vor einem fiktiven Publikum, sondern vor echtem Publikum) 4) Während des Vorstellens – für dich selbst – Hinweise machen, wo du beim Erklären hängen bleibst 5) Die jeweiligen Hinweise noch einmal durchgehen.

Mögliche Nachteile:

Wir müssen natürlich auch die Schattenseiten beleuchten, auch wenn wir jene in diesem Kontext als weniger schlimm erachten.

  1. Die Suche nach geeigneten Peers kann dauern… Bedeutet, dass ihr erstmal lange nach Leuten suchen müsst, die ähnlich ticken wie ihr. Wenn ihr bspw. sehr dahinter steht und wirklich jeden Dienstag eure Lerngruppe zusammentrommeln wollt und eure Gruppenmitglieder dann immer wieder spontan absagen oder vielleicht unvorbereitet dazukommen, dann passt eure Konstellation einfach nicht zusammen. Sowas kann auf Dauer sehr ermüden und interne Problem erschaffen. Daher heißt es: Wenn ihr eine Lerngruppe möchtet, schaut gleich ab dem ersten Semester, wer von der Lerndynamik zu euch passt.
  2. Zu viel Ablenkung… Ja auch die soziale Ablenkung ist so eine Sache. Man muss als Lerngruppe eine gewisse Disziplin an den Tag legen, da man ansonsten schnell in private Gespräche kommt und von den angesetzten 3 Stunden ‚Lernzeit‘ schnell mal 1 Stunde in Gespräche ertränkt. Das kann man aber gut damit in den Griff bekommen, indem man zur richtigen Zeit Pausen setzt und einen Wecker für diese Breaks stellt. Und die Belohnung in Form von Ratschen, Spaß haben und Ideen fürs Wochenende austauschen muss einfach sein.

FAZIT:

Wir empfinden es als Gamechanger, aber wir wollen euch auch zu nichts drängen! Daher wäre unser Vorschlag, dass ihr es einfach mal austestet und genau hinschaut, ob es für euch eine Ent- oder vielleicht Belastung ist. Falls es das Letztere sein sollte, dann schafft schnell Klarheit und bleibt lieber bei euren alten Lerntaktiken.

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