Wenn wir über Rhetorik sprechen, dann können wir uns zunächst fragen, was wir darunter verstehen? Das aus dem altgriechischen Wortschatz entlehnte Wort ‚Rhetorik‘ bezeichnet die Kunst der Rede. Wobei das aber nicht alles ist. Unter Rhetorik versteht man im weiteren Sinne auch die Lehre von der wirkungsvollen Ausgestaltung von Vorträgen, Referaten usw. – sprich es geht darum, Deine Kommunikation richtig an dein Publikum weiterzugeben und dabei eine gute Figur zu machen.
I. Dein Standing im Raum
Hier kommen wir gleich zu unserem liebsten Diskussionsthema: „Sollte man eher stehen oder herumlaufen während eines Vortrags?“
Auf die Frage gibt es keine pauschale richtige Antwort, da jeder Redner/Vortragende anders tickt und auch die Situationen jeweils anders sein können. Sollte der Vortragsbereich einfach zu klein sein, stellt sich die Frage des Herumlaufens gar nicht, da wir nicht irgendwo hängenbleiben möchten. Doch sollte genug Platz sein, muss das nicht gleich bedeuten, dass man herumlaufen muss. Nein, macht es von eurem eigenen Wohlbefinden abhängig. Wenn ihr der Typ dafür seid, eher viel Bewegung in euren Vortrag einfließen zu lassen, dann macht das. Wichtig ist hier nur, dass ihr keine „Minischritte“ macht, das wirkt auf Dauer etwas entenhaft. Auch ist es relevant, dass ihr vorher ungefähr absteckt, wo ihr hinlauft und wie weit. Letztlich wollt ihr alle im Publikum abholen und nicht am Ende „irgendwo“ in der Mitte der Zuschauer stehen und gut die Hälfte von ihnen nicht mehr beachten.
Solltet ihr aber sagen: „Nein, Laufen ist nicht mein Ding während des Vortrags“, dann ist das vollkommen in Ordnung! Selbst im stehenden Zustand kann man viel Dynamik in einen Vortrag bringen. Wichtig ist dabei, dass ihr nicht starr wie ein Roboter an einem Fleck steht, sondern euren Oberkörper locker macht. Hinweise wie: „Die BEINE müssen immer fest am Boden stehen und sich nicht wegbewegen“, sind eher kontraproduktiv. Ja, der Oberkörper sollte flexibel sein und die Beine eher statisch. Das heißt aber nicht, dass ihr nicht mal ein wenig wanken dürft. Es sollte nur eben nicht zu viel sein, denn das kann Unsicherheit ausdrücken.
Unser Tipp: Probiert ein wenig herum und schaut, was sich für EUCH gut anfühlt.
II. Deine Gestik
Hui, gleich ins Wespennest gestochen! Ja, die Gestik ist so eine Sache für viele. Wenn es nämlich zum Thema Körpersprache, insbesondere zur Verwendung der Hände, kommt, haben viele ein mulmiges Gefühl. Das kommt wahrscheinlich daher, weil man bei dem einen oder anderen Rhetoriktipp gehört hat, dass man nur in einem gewissen Bereich die Hände verwenden darf:

Solche Schaubilder sind als allgemeine Hinweise natürlich quatsch. Es ist nicht sofort problematisch, wenn ihr mal eine hohe Geste macht oder die Arme einmal fallen lasst oder nach unten hängen lasst. Der Punkt ist nur, dass ihr mit euren Gesten viel „aussagt“. Bedeutet auch, dass fallende Arme als eine Art „Abfallen der Spannung“ empfunden werden kann. Das wollen wir tunlichst vermeiden. Doch klinisch darauf achten, wo nun die Hände sind, das wollen wir euch bitte ausreden.
Unser Tipp: Eure Hände sind Untermaler des Gesagten. Heißt, dass ihr sie als Visualisierungsmarker brauchen könnt, sie aber euch nicht die Show stehlen sollten. Übt dafür einfach vor dem Spiegel und schaut wie eure Hände während eures gespielten Vortrags agieren. Sollte es so wirken als würden sie nur als Untermaler agieren, braucht ihr nicht zu viel Zeit mit dem Gestikttraining verbringen. Sollten sie gar nicht zum Vorschein kommen oder zu oft sehr ausschweifend sein, dann könnt ihr gezielter darauf achten und gucken, wie ihr sie besser einsetzt.
III. Deine Atmung
Nicht nur für Schauspieler ist die Atmung ein relevanter Faktor. Alle Sprechberufe können letztlich ein Lied von singen, wenn es zum Thema „richtig Atmen“ kommt. Ein gutes Buch hierfür ist Rhetorik – die Kunst der Rede im digitalen Zeitalter von Markus Ehler. In seinem Abschnitt zum Thema „Atmung“ erläutert er, dass man nicht den Fehler machen sollte, mit eingezogenem Bauch und hochgepresster Brust einen Vortrag durchzuexerzieren. Wenn ihr das nämlich macht, kommt irgendwann kein Ton mehr raus. Brust raus, Bauch rein ist also kein guter Hinweis für eine Rede. Bleibt entspannt und macht euch keine Sorgen, wenn das Bäuchlein etwas nach außen geht. Wichtig ist, dass ihr genügend Luft habt und euch wohlfühlt. Ohne Luft fühlt sich definitiv keiner wohl!
Um überhaupt richtig in Fahrt zu kommen, sollte man auch ein paar Atemübungen in Erwägung ziehen. Unsere liebste Technik ist die HaHa-HoHo-HuHu-Methode. Hier steht ihr einfach im Raum (am besten ohne Zuschauer) und startet damit, eure Arme über euren Kopf in die Höhe zu halten. Dann beginnt ihr laut und energisch „Haha“ zu äußern, danach bringt ihr eure ausgestreckten Arme direkt vor euch und äußert „HoHo“. Zu guter Letzt bringt ihr eure Arme nach unten, Richtung Boden und äußert „Huhu“. Das macht ihr ein paar Mal, bis ihr bemerkt, dass ihr einen richtig tiefen Atem habt.
